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Die Wahl des richtigen Arztes für kosmetische Eingriffe

Die richtige Auswahl des Arztes ist entscheidend für den Erfolg einer kosmetischen Behandlung. Doch wer glaubt, ein Facharzttitel sei Garant für eine qualitativ hochstehende Behandlung, kann bitter enttäuscht werden. Auch wenn plastisch-chirurgische Fachgruppen immer wieder den Mythos bemühen, einzig die Befähigung (und Berechtigung) für kosmetische Eingriffe zu besitzen, kann gar das Gegenteil der Fall sein: Plastische Chirurgen neigen vielfach zur Anwendung veralteter und aggressiver Behandlungstechniken.

Betrachten wir das Beispiel der Fettabsaugung näher: Während kosmetisch-chirurgisch tätige Allgemeinmediziner und Dermatologen seit mehr als 10 Jahren zu händischen Absaugungen mit dünnen Kanülen und ohne Narben übergegangen sind, schreibt die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) noch im Jahr 2010 (!) auf ihrer Informationsseite zur Fettabsaugung (Hervorhebungen durch den Autor dieser Seiten; übrigens schreibt die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPÄRC) zur Fettabsaugung inhaltlich das Gleiche):

Vor dem eigentlichen Eingriff entscheidet der Chirurg über die Modellierung der betroffenen Partien. Dazu markiert er die Fettpolster in Form von Höhenlinien auf dem Körper. Der kleine Hautschnitt von 0,5 bis 1 cm erfolgt an unauffälliger Stelle, etwa in den Gesäßfalten oder im Nabel. Die Absaugung beginnt unmittelbar mit dem Einführen der Kanüle. Sie dauert je nach Areal und Ausmaß nur 20 Minuten bis zu 2 Stunden. Der Hautschnitt wird nach dem Eingriff genäht.

Und weiter schreibt die VDÄPC:

Stellen Sie sich darauf ein, für die ersten 6 Wochen nach der Operation Miederhosen, Stützstrümpfe oder Bandagen zu tragen, und zwar Tag und Nacht. Nur so vermeiden Sie, dass in den entstandenen Hohlräumen durch Blut, gelöstes Fett oder Gewebeflüssigkeit unerwünschte Narben entstehen, die das Ergebnis wesentlich beeinträchtigen können. Die Fäden an den Einstichstellen können 1 Woche nach der Operation auch selbst gezogen werden. In der Regel wird jedoch eine Kontrolluntersuchung zu diesem Zeitpunkt sinnvoll sein.

Bei Anwendung aktueller Techniken zur Fettabsaugung entstehen keine Narben, die genäht werden müßten! Außerdem ist etwa eine Woche Kompression ausreichend! Es bleibt zu hoffen, daß die VDÄPC ihren Mitgliedern nicht die Anwendung der beschriebenen Eingriffstechnik abverlangt, welche der Steinzeit der kosmetischen Medizin entspringt. Bei einem Plastischen Chirurgen, der sich an diese offizielle Beschreibung seiner Fachgesellschaft hält, können Sie jedenfalls eines sicher sein: Sie sind in schlechten Händen!

Folgende Punkte sollten Sie bei der Auswahl ihres Arztes für einen kosmetischen Eingriff beachten:

  • Lassen Sie sich vom Arzt Behandlungsfotos zeigen. So können Sie sich ein erstes Bild vom Geschick und ästhetischen Gefühl des Arztes machen, der sie eventuell operieren wird.
  • Informieren Sie sich (am besten nicht beim Arzt, sondern im Internet), welche Eingriffsmöglichkeiten es für Ihr „Schönheitsproblem“ gibt, und fragen Sie den Arzt nach der schonendsten Technik (erkennbar an minimaler Nachsorge, keinen Narben, Eingriff ohne Vollnarkose). Wirkt er überrascht? Dann ist ziemlich sicher, daß er veraltete Methoden einsetzt.
  • Wenn der Arzt im Beratungsgespräch zu Fettabsaugungen und Brustvergrößerungen mit Eigenfett „Vollnarkose“, „Narben“ und „mehrere Wochen Kompression“ anspricht, ist dies meist ein Indiz dafür, daß der Arzt jene Methoden einsetzt, die er bei seiner Ausbildung vor mehreren Jahrzehnten gelernt hat. Gute Ärzte verfolgen die Entwicklung in ihrem Fachgebiet und greifen schonendere Verfahren auf, auch wenn diese aufwendiger sind. Selbstverständlich verlangt dies dem Arzt Bereitschaft zu lebenslangem Lernen ab.
  • Fragen Sie den Arzt, seit wann er den gewünschten Eingriff anbietet und wie oft er ihn bereits durchgeführt hat. Eine gewisse Routine ist wichtig, damit sich der Arzt voll und ganz auf den Eingriff konzentrieren kann.

P.S.: Bedauerlich, daß die DGPÄRC auf ihrer Website nur Silikonimplantate zur Brustvergrößerung kennt, nicht aber Eigenfetttransfer oder gar die Brustvergrößerung mit Stammzellen. Da Fachgesellschaften nicht nur vom Engagement ihrer Mitglieder getragen werden, sondern auch Einfluß auf ihre Mitglieder haben, wirft dies ein bezeichnendes Licht auf Gesellschaft und Mitglieder. Es ist kein Wunder, daß es zur Etablierung neuer, schonenderer Behandlungen oft Pionieren aus anderen medizinischen Fachrichtungen bedarf (Allgemeinmediziner, Hautärzte etc.), die außerhalb enger Fachgrenzen zu denken gelernt haben.

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Februar 18, 2011 at 10:44 am Hinterlasse einen Kommentar


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